• Stöße I: Über Aphorismen

1989 und seither

Während die anderen Leute im Sommer Strandurlaub in Italien oder Jugoslawien machten und im Winter Skiurlaub, fuhren wir meistens in die Tschechoslowakei, nach Budweis, wo mein Vater einen Sportsfreund hatte. So kannte ich den Ostblock schon als Kind im Oberösterreich der siebziger Jahre aus eigener Anschauung: die Notwendigkeit, bei der tschechoslowakischen Botschaft in Wien ein Visum zu besorgen; die Schikanen der maschinenpistolenbewehrten Grenzer, die mein Vater mit Einwegrasierern und Kugelschreibern zu besänftigen vermochte; die ruhigen, freundlichen, des Deutschen mächtigen Freunde, die in einer Neubauwohnung im vierzehnten Stock mit Balkon ganz gut lebten, in der Nähe einen kleinen Garten hatten und bald auch ein mit österreichischem Geld, ungefähr einem durchschnittlichen Monatslohn, finanziertes Wochenendhaus; wie überhaupt alles nach westlichen Begriffen nichts kostete; dass es für normalsterbliche Tschechoslowaken schwierig bis unmöglich war, ins westliche Ausland zu reisen; die Abwesenheit von kommerzieller Werbung und Plastiktaschen; die kommunistischen Parolen und Paraden; das Grau; dass die Dinge archetypischer waren und man gewisse westliche Verblödungswellen nicht mitgemacht hatte; die anderen, schlechteren Autos und Zigaretten; die Allgegenwart von Uniformierten; die gute Hausmannskost. Mehr…